3 Fragen an Karin Paulsmeyer, Leiterin Stabsstelle Fokus Bahn NRW

Seit Anfang Mai stärkt das Verkehrsministerium das Landesprogramm Fokus Bahn NRW durch eine neue Stabsstelle unter der Leitung von Karin Paulsmeyer. Sie ist sich sicher: Vor allem jetzt braucht es die Energie, Impulse zu setzen, Chancen zu erkennen und diese zu ergreifen.

Wo liegen die Handlungsschwerpunkte? Für was müssen wir dringend Lösungen finden? Und was hat Sie persönlich bewogen, sich in dieser schwierigen Phase ganz dieser Aufgabe zu widmen?

Karin Paulsmeyer: Als Branchenbündnis steht Fokus Bahn für ein Zusammenspiel der Kräfte, das sich in den letzten anderthalb Jahren eingeübt und etabliert hat und ich bin der Überzeugung, dass dies in der aktuellen Krise in besonderem Maße von Bedeutung ist. Unser Anliegen, das der Stabsstelle Fokus Bahn NRW und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verkehrsministeriums, ist es daher in der aktuellen Lage, die bewährten Strukturen des Programms zu nutzen, sie zu stärken und das Programm Fokus Bahn NRW um die akut anstehenden Themen zu erweitern.

Dabei meine ich nicht nur die Stabilisierung des Verkehrsangebots bei adäquatem Schutz der Mitarbeiter und Fahrgäste, die Etablierung von Hygienemaßnahmen sowie neue Gewohnheiten des Umgangs miteinander. Vorrangiges Ziel für uns alle muss es sein, das Vertrauen der Fahrgäste in den Nahverkehr zurückzugewinnen. Das wird ein Kraftakt sein, denn es braucht in dieser Phase, wo wir alle richtigerweise hochsensibel auf Enge, Einschränkungen und Komfortmängel in unserer Umgebung reagieren, einen starken kommunikativen Anschub und einen neuen Fokus auf Qualität.

Bereits jetzt kostet die Bewältigung der Situation die Branche sehr viel Kraft. Kann es Lerneffekte für die Zukunft aus der Krise geben?

Karin Paulsmeyer: Es braucht vor allem jetzt die Energie, Impulse zu setzen, Chancen zu erkennen und zu ergreifen. Die immense Problematik des Fachkräftemangels beispielsweise, von Beginn an ein Kernthema von Fokus Bahn, wird durch die Verzögerungen in der Lokführer-Ausbildung in den letzten Wochen nun noch einmal verschärft spürbar. Zugleich wissen wir, dass jetzt mehr Menschen denn je nach beruflicher Neuorientierung suchen und auf Chancen warten, wie sie der Nahverkehr mit seinen krisensicheren Berufsperspektiven bieten kann. Für diese Menschen müssen wir jetzt verstärkt Beratungs- und Ausbildungsangeboten bereitstellen, sollten über ausbildungsbegleitende Unterstützung wie zum Beispiel Mentoringprogramme nachdenken, um Quereinsteigern den Einstieg in Bahnberufe zu erleichtern. Als eine der wichtigen Zukunfts- und Wachstumsbranchen dieses Landes müssen wir es als Auftrag begreifen, jetzt aktiv zu werden und nach vorne zu schauen.

Ein Blick zurück: Sie haben Fokus Bahn NRW mit aus der Taufe gehoben und als Lenkungskreisvorsitzende von Beginn an begleitet. NRW geht mit diesem Bündnis einen besonderen Weg, der bundesweit Anerkennung findet, aber angesichts der Vielstimmigkeit der Akteure sicher keineswegs immer ein einfacher ist. Was hat Sie daran gereizt und wie haben Sie die Entwicklung erlebt?

Karin Paulsmeyer: Als bevölkerungsreichstes Bundesland hat NRW immer schon entsprechend hohe Anforderungen an den Nahverkehr gestellt und in der Tat verfügt das Land über eine vielfältige SPNV-Landschaft mit starken Playern und sehr viel Expertise: Bahnunternehmen, die nach harten Kämpfen im Wettbewerb gut im Markt etabliert sind und über entsprechend langjährige Erfahrung verfügen. Aufgabenträger, die oft diffizilen, regional unterschiedlichen Bedürfnislagen gerecht werden müssen und diese Aufgabe mit hohem Verantwortungsgefühl und der erforderlichen Durchsetzungskraft wahrnehmen.

Als diese Akteure begannen, miteinander zu agieren, sich auf ein gemeinsames Ziel und eine gemeinsame Agenda zu einigen, um im Sinne aller Fahrgäste den Nahverkehr auf der Schiene voranzubringen - da habe ich das als eine große Chance gesehen. Was könnte reizvoller sein, als die Aufgabe, diesen Prozess mit all seinen unterschiedlichen Interessenslagen und mit all seinen Konflikten zu moderieren? Ich freue mich darauf, wenn es nun in konzertierter Aktion mit konzentrierter Kraft vorangeht.