Projekt Fahrgast- Information
Frühzeitig, verlässlich und einheitlich informieren
Ob bei langfristigen Baumaßnahmen oder kurzfristigen Störungen: Fahrgäste im NRW-Nahverkehr erwarten verlässliche Informationen – am besten in Echtzeit, präzise aufbereitet, konsistent über alle Kanäle und dies unabhängig vom jeweiligen Eisenbahnverkehrsunternehmen. Sie möchten wissen, welche Alternativen es gibt, wie Ersatz- oder Notverkehre organisiert sind und wie sie möglichst schnell an ihr Ziel kommen.
Unser Kernprojekt „Fahrgastinformation“ legt die operativen Grundlagen, damit dies in Zukunft zuverlässiger funktioniert.
Themenfelder im Projekt
Wir arbeiten in definierten Themenfeldern daran, dass Fahrgastinformationen bei Störungen schneller und verlässlicher ankommen. Dazu gehören insbesondere vorausschauendere Planungen bei Baustellen, eine koordinierte Organisation von Schienenersatzverkehren, robuste und standardisierte Störfallkonzepte sowie die Optimierung der Prozesse und Kommunikationswege in der SPNV-Regiezentrale NRW. Dabei bauen wir die bestehende Kooperation mit der DB Reisendeninformation zu einer dauerhaften und strukturierten Zusammenarbeit aus. Gemeinsam suchen wir Lösungen für die komplexen Fragen der Fahrgastinformation und arbeiten priorisierte und kurz- bis mittelfristig wirksame Maßnahmen Schritt für Schritt ab. Dazu gehören Schnittstellen- und Prognosethemen oder die Vermeidung vermeidbarer Gleiswechsel. Wir prüfen alle Maßnahmen regelmäßig und passen sie bei Bedarf an.
Robuste Störfallkonzepte entwickeln
Für außerplanmäßige Betriebslagen im SPNV entwickeln, pilotieren und evaluieren wir standardisierte Vorgehensweisen für die schnellere Umstellung auf einen definierten, stabilen Störungsfahrplan, der insbesondere auf hochbelasteten Umleitungsstrecken einem signifikanten Verspätungsaufbau entgegenwirkt. Die konsequente Anwendung, anstelle von Einzelfalldispositionen, schafft damit auch die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Fahrgastkommunikation. Zunächst werden zwei Pilotkonzepte für Störfälle rund um die Hauptbahnhöfe in Bochum und Mülheim an der Ruhr in der Praxis erprobt. Diese werden ausgewertet, ggf. angepasst, für weitere Strecken definiert und in bestehende Dispositionshandbücher integriert: als Vorlage für einen landesweiten Rollout.
Dispositionsprozesse verbessern
Zur Optimierung der unternehmensübergreifenden Disposition begleiten wir die SPNV-Regiezentrale NRW operativ mit Prozess- und Kommunikationshilfen. Dazu gehören Teamtrainings zur Stärkung der Zusammenarbeit sowie der Aufbau eines Schulungsprogramms für Disponentinnen und Disponenten. Parallel koordinieren wir – in enger Abstimmung mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen und der DB InfraGO – die weitere Restrukturierung der SPNV-Regiezentrale NRW mit neuen Arbeitsplatzlayouts und optimierten Kommunikationswegen. Ein strukturiertes Reporting und regelmäßige Reviews machen Fortschritte sowie notwendige Anpassungen erkennbar.
Gleiswechsel minimieren
Jeder Gleiswechsel löst die Notwendigkeit einer Abweichungsinformation aus und erzeugt häufig auch Stress für die Fahrgäste. Diese Situationen sollen auf ein nicht vermeidbares Minimum reduziert werden. Speziell in diesem Teilprojekt geht es uns also nicht nur um eine bessere Information, sondern um die Vermeidung von Abweichungen und damit die Reduzierung der Fälle, in denen überhaupt über etwas informiert werden muss. Bei außerplanmäßig dennoch notwendigen Gleiswechseln gilt es, durch vorausschauende betriebliche Maßnahmen sowohl mögliche Dominoeffekte als auch zu kurze Reaktionsmöglichkeiten für die Fahrgäste zu vermeiden. Dafür analysieren wir Unstimmigkeiten zwischen systemischem und menschlichem Handeln, klären Verantwortlichkeiten und Zeitpunkte für Handlungen in der Entscheidungskette, definieren verbindliche Regeln und stabilisieren die Planungsprozesse z. B. bei Baustellen. Ziel ist eine sinnvolle, systemgestützte Gleiswechselsteuerung – zeitnah, konsistent und störungsarm.
Prognosequalität steigern
Auf Basis erfolgter Analysen zur Fahrgastinformation im SPNV NRW identifizieren wir weitere strategische Handlungsbedarfe zur Steigerung der Prognosequalität. Dabei gehen wir u.a. die Digitalisierung betrieblicher Informationen oder den Umgang mit Informationen bei einer unklaren Daten- bzw. Prognoselage, zum Beispiel bei Fahrzeug- oder Infrastrukturstörungen, an. Abgestimmt auf die Bedürfnisse der beteiligten Akteure, priorisieren wir Aufgaben und entwickeln operative Maßnahmenpakete mit klaren Zeitachsen und Ressourcen in zurzeit sechs identifizierten Handlungsfeldern. Bei Bedarf bereiten wir Pilotprojekte für die Umsetzung vor. Durch den Austausch in unternehmensübergreifenden Workshops sichern wir Praxisnähe und Branchentauglichkeit.
Schienenersatz- und Busnotverkehre optimieren
Ob langfristige Baumaßnahmen oder akute Störungen: Es gilt, die Einschränkungen für die Fahrgäste zu minimieren. Neben der Planung von Schienenersatzverkehren (SEV) und Busnotverkehren (BNV) sind eine klare Wegeleitung vom Gleis zu den Ersatzhaltestellen sowie gut auffindbare Informationen zu Abfahrten zentral. Dies wurde in einem ersten Projektschritt in den vergangenen Jahren schon fast vollständig umgesetzt. Hier arbeiten wir jetzt an der weiteren Standardisierung, vor allem hinsichtlich stabil festgelegter Konzepte bei vorab definierten Störfallszenarien (analog „Robuste Störfallkonzepte“ bei Umleitungen auf der Schiene), eines einheitlichen Datensystems, damit alle Planer schnellen Zugriff auf die gleichen Informationen haben, und durchgehend einheitlicher Standorte von Haltestellen des SEV und des BNV. Die Integration von SEV und BNV in Betriebs- und Fahrplaninformationssysteme mit Echtzeitdaten sowie die Digitalisierung interner Prozesse und externer Schnittstellen werden weiter optimiert, um so eine durchgehende Kundeninformation zu sichern. Mit unserer Projektarbeit wird ein unternehmensübergreifend koordiniertes Vorgehen gewährleistet, das konsistente Lösungen für Fahrgäste schafft.
Qualifikationen erweitern
Betriebsabläufe konsequent aus Fahrgastsicht denken: Dafür entwickeln wir neue Qualifizierungsmodelle mit erweiterten Trainings für Betriebspersonal und Führungskräfte. Bestehende Programme der DB InfraGO Personenbahnhöfe, DB InfraGO Fahrweg, des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und verschiedener Eisenbahnverkehrsunternehmen werden analysiert und bilden die Basis für die Weiterentwicklung. Begleitend schaffen wir damit die notwendigen Rahmenbedingungen, um die Maßnahmen der anderen Themenfelder nachhaltig wirksam werden zu lassen.
„Single Point of Truth“
Mit einem Single Point of Truth (SPOT) wollen wir allen Fahrgästen und Akteuren konsistente, qualitätsgesicherte und einheitliche Informationen aus einer Quelle bereitstellen. Dafür klären wir Rollen und Interpretationen der Systeme, vereinheitlichen im Anschluss Inhalte und Standards. Mit unseren Partnerinnen und Partnern bei den Infrastruktur- und Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie der DB Reisendeninformation sind wir hierzu im regelmäßigen Austausch, um aktuell noch bestehende Hürden – von uneinheitlichen Parametern bis zu fehlerhaften Eingaben – zu beheben.
Zugradar
Mit der Entwicklung eines Zugradars soll die reale Zuglage für die Fahrgäste übersichtlich und aktuell auf einer Karte sichtbar gemacht werden. Dies wird in einem ersten Schritt nur dort möglich sein, wo die technische Ausstattung der Fahrzeuge es zulässt. Während parallel aber bereits an einer „Vollversion“ gearbeitet wird, soll noch dieses Jahr eine Version 1.0 live gehen, die bereits einen erheblichen Informationszugewinn für die Fahrgäste bringen wird. Eine Arbeitsgruppe mit Fachleuten des VRR hat sich dazu auf den Weg gemacht.
Ausgesuchte Maßnahmen
Zuginfo.nrw
Mit zuginfo.nrw gibt es im SPNV Nordrhein-Westfalens eine zentrale Plattform, die Baustellen- und Störungsinfos bündelt und in Echtzeit bereitstellt. Diese Daten bilden die Basis für Kundeninformationen auf den digitalen Kanälen von Verkehrsverbünden und Eisenbahnverkehrsunternehmen. Fahrgäste können zuginfo.nrw direkt nutzen; über kostenlose Push-Kanäle lassen sich aktuelle Infos zu favorisierten Strecken und Linien abonnieren. Die Weiterentwicklung wird kontinuierlich vorangetrieben.
SEV-Leitsystem
Die Organisation von Schienenersatzverkehren (SEV) wurde zwischen 2022 und 2025 in der SPNV‑Regiezentrale NRW und durch Fokus Bahn NRW intensiv vorangetrieben. Ergebnis ist ein SEV‑Leitsystem für die Fahrgastführung an Bahnhöfen und Stationen. Gemeinsam mit Kommunen und Verkehrsunternehmen wurden einheitliche SEV‑Haltestellen definiert und eingerichtet. Die Wegeleitung vom Bahnsteig zur SEV‑Haltestelle erfolgt über Floor Graphics und teilweise über mobile Stelen. Durch die Integration der SEV‑Fahrzeiten in Betriebs- und Fahrplaninformationssysteme stehen inzwischen weit überwiegend durchgehende Echtzeit-Informationen bereit – inklusive digitaler Wege und Haltestellen.
Busnotverkehre
Die unternehmensübergreifende Organisation und zentrale Koordination von Busnotverkehren wurde in der SPNV‑Regiezentrale NRW auf den Weg gebracht. Pilotiert u. a. im Korridor Krefeld–Hagen mit 16 Nahverkehrslinien werden bei Störungen schnell und gemeinsam Ersatzbusse organisiert. Dafür wurden das neue Berufsbild „Koordinator*in für Busnotverkehr“ eingeführt und eine digitale Lösung entwickelt, die Anforderungen bündelt, Busse zügiger disponiert und Infos frühzeitig einheitlich über zuginfo.nrw und die bekannten NRW‑Apps ausspielt.
Neue Berufsbilder
In der SPNV‑Regiezentrale NRW wurden zwei neue Berufsbilder zur Unterstützung der Disposition etabliert: Während die Koordinator*innen für Fahrgastinformation unternehmensübergreifend Störungsmeldungen bündeln und via zuginfo.nrw in die Auskunftsmedien überführen, sorgen die Koordinator*innen für Busnotverkehre für eine schnellere Disposition von Ersatzbussen und koordinieren die Abläufe.
Ansprechpartner
Joachim Künzel
Projektleitung
VDV Academy & Training
Georg Seifert
Projektleitung
Verkehrsverbund Rhein-Ruhr