Orientierung beim Umstieg in Bahnberufe: Fokus Bahn NRW berät Quereinsteiger/innen

Fokus Bahn NRW bietet seit einigen Monaten im Programmbüro eine neue Beratungsstelle für interessierte Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger an. Barbara Tünnemann, Sprecherin des Landesprogramms Fokus Bahn NRW, spricht über die Gründe und den Blick in die Zukunft.

 

Wieso hat die Initiative diesen Schritt in die Wege geleitet?

Barbara Tünnemann: Die Beratungsfunktion hat sich unmittelbar aus der Zusammenarbeit mit den Jobcentern und den Arbeitsagenturen entwickelt und ist eine Antwort auf die aktuelle Situation im Fachkräftemarkt: Wir haben festgestellt, dass vor allem in Folge von Corona sehr viel mehr Menschen auf uns zukommen, die sich in einer Phase beruflicher Neuorientierung befinden und sich für einen Quereinstieg in die Bahnbranche, insbesondere den Lokführerberuf, interessieren. Das ist begreiflicherweise mit sehr viel persönlicher Unsicherheit und sehr viel Beratungsbedarf zu den verschiedenen Möglichkeiten eines Quereinstiegs verbunden. Die Vielfalt der Anbieter, aber auch der unterschiedlichen Umschulungsangebote ist gerade im Bereich der Lokführer/innen-Ausbildung sehr groß. Die Möglichkeiten reichen von der dreijährigen Grundausbildung über die zwölfmonatige Kurzausbildung bis zu neuen Formaten des Fernunterrichts. Für Interessierte ist es schwierig herauszufinden, welches Angebot für sie je nach Alter, Standortgebundenheit, Familiensituation, also individueller Interessenslage, das Richtige ist. Hier geben wir in persönlichen Einzelgesprächen Hilfestellung. Unser großer Vorteil als Gemeinschaftsinitiative ist ja, dass wir wettbewerbsübergreifend, also unabhängig von den Interessenslagen einzelner Bildungsträger, beraten können.

 

Welche beruflichen Erfahrungen bringen die Bewerber/innen mit? Wer ist geeignet?

Barbara Tünnemann: Das Spektrum der Herkunftsberufe ist erheblich breiter geworden: Es reicht von Spitzenköch/innen bis zu Taxifahrer/innen, von Messebauer/innen bis zu Altenpfleger/innen und zu Studierenden, denen in der langen Zeit des Online-Studiums klar geworden ist, dass die Studienwahl doch nicht die richtige für sie war. Den idealen Herkunftsberuf gibt es dabei nicht. Für einen Beruf wie den des Lokführers oder der Lokführerin, der hohe Anforderungen stellt, eine große Verantwortung mit sich bringt und mit einer intensiven Ausbildung verbunden ist, ist vielmehr ganz entscheidend, dass die Bewerber/innen mit der richtigen Motivation und Erwartungshaltung in die Ausbildung gehen. Dabei darf man nicht vergessen, dass dies für viele Interessenten die erste Erfahrung mit Arbeitslosigkeit ist, aus der Vor-Corona-Zeit waren sie in der Regel eine recht stabile berufliche Situation gewohnt. Eine Fehlentscheidung, die zum Abbruch der Ausbildung führt, ist für die Bewerberinnen und Bewerber wie für die Bahnen zweifellos nicht gut. Deswegen bemühen wir uns, gut zu informieren und die richtigen Fragestellungen an die Hand zu geben, um die Entscheidung zum Quereinstieg gut zu hinterfragen.

 

Was empfiehlt Fokus Bahn NRW Bewerberinnen und Bewerbern ganz konkret? Wie und wo sollten sie sich informieren?

Barbara Tünnemann: Meistens zeigt sich im persönlichen Gespräch sehr schnell, wie konkret oder vage die Vorstellungen vom Lokführer/innen-Beruf sind und wo noch offene Fragen bestehen. Vielen hilft die Teilnahme an Live-Dialogen mit Lokführerinnen und Lokführern und unseren Unternehmen oder auch die vielen Alltagsgeschichten und Berufseinblicke auf unserer Website. Manchen empfehlen wir die Teilnahme an Vorbereitungs- und Unterstützungsprogrammen, die Bildungsträger wie der TÜV Nord oder die SBH West mittlerweile anbieten und die wir sehr begrüßen. Vor allem aber ermutigen wir Bewerberinnen und Bewerber, sich Bedenkzeit zu nehmen und wir bieten immer an, sich nach einer Nachdenkpause, so oft Bedarf besteht, wieder zu melden. Wir freuen uns, dass dies so gut in Anspruch genommen wird, denn wir selber profitieren sehr von diesen Bewerberfragen. Wir gewinnen Erkenntnisse, wie wir Kommunikation besser gestalten können, wie wir Ausbildungsbedingungen verändern und effektiver machen können.