3 Fragen an Henrik Feldmann, Leiter Strategie und Vertragsmanagement TRI Train Rental GmbH

Die TRI Train Rental GmbH mit Sitz im fränkischen Eckental ist neues Mitglied des Landesprogramms Fokus Bahn NRW. Henrik Feldmann, Leiter Strategie und Vertragsmanagement bei TRI, ist sich sicher: Die Initiative bietet wichtigen Mehrwert für die gesamte Branche.

Im Rahmen des Verkehrsvertrages „Sonderverkehre NRW“ fährt die TRI Train Rental GmbH mit Sitz im fränkischen Eckental im Auftrag von VRR, NVR und NWL seit zwei Jahren Entlastungszüge zu Groß- und Sportveranstaltungen. Darüber hinaus stellt TRI anderen Betreibern in NRW Fahrzeuge und Personal für alle Formen von Ersatz- und Notverkehren zur Verfügung. Als Branchendienstleister schließt sich TRI jetzt der Qualitätsinitiative Fokus Bahn NRW an und wird Partner in der Gemeinschaftskampagne der Bahnen in NRW. Henrik Feldmann, Leiter Strategie und Vertragsmanagement bei TRI, sieht gute Gründe für die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit im SPNV.

Ihr Unternehmen sitzt im fränkischen Eckental. Warum will TRI den Bahnen in NRW beitreten?

Henrik Feldmann: Unser Entschluss, den Bahnen in NRW beizutreten, ist aus unserer Historie heraus nur folgerichtig. Schließlich sind wir inzwischen seit mehr als fünf Jahren in NRW vor Ort und besitzen einen größeren Betriebsstandort in Köln. Es begann mit Ersatzzuggarnituren auf der Regionalbahnlinie RB 48 zwischen Bonn und Wuppertal für National Express. Über den Verkehrsvertrag „Sonderverkehre NRW“ sind wir seit Dezember 2018 ein zuverlässiger Partner für die SPNV-Aufgabenträger und die Eisenbahnverkehrsunternehmen landesweit. Wir halten am Standort Köln ständig zwei komplette Zuggarnituren mit jeweils circa 700 Plätzen für Sonder-, Ersatz- und Notverkehre bereit, die noch verlängert werden können. Auch wenn seit einem Jahr pandemiebedingt die Einsätze zu Großveranstaltungen und Bundesliga ausfallen, sind wir mit unseren Zügen bei Ersatzverkehren präsent. So auch nach dem Tanklaster-Unglück und dem Brand der Eisenbahnbrücke auf der A40. Da haben wir auf der S-Bahnlinie S3 zwischen Mülheim-Styrum und Essen Hauptbahnhof kurzfristig zusätzliche Fahrten im Rahmen des Ersatzverkehrs-Konzeptes übernommen. Und auch auf der RB 48 waren wir in diesem Jahr bei Baumaßnahmen südlich von Köln im Oktober wieder im Einsatz.

Sie verstehen sich als Dienstleister und Nothelfer für die Eisenbahnverkehrsunternehmen. Inwieweit teilen Sie da auch die spezifischen Probleme der Bahnbranche?

Henrik Feldmann: In Nordrhein-Westfalen halten wir unsere beiden Zuggarnituren inklusive Personal immer einsatzbereit. Aber wir sind auch in anderen Bundesländern tätig und müssen uns auch dort mit den Fragen einer koordinierten Verkehrsplanung und mit dem Thema Lokführermangel intensiv auseinandersetzen. Vor diesem Hintergrund finden wir Fokus Bahn NRW als gemeinsame Qualitätsinitiative von Land, Aufgabenträgern und Eisenbahnverkehrsunternehmen sehr produktiv.

Kooperation trotz Wettbewerb: Zur Optimierung der Qualität im SPNV fördert das Land Nordrhein-Westfalen mit Fokus Bahn NRW die Zusammenarbeit der Eisenbahnverkehrsunternehmen. Wo sehen Sie den Mehrwert für die Branche?

Henrik Feldmann: Aufgrund unserer hohen Nischenspezialisierung stehen wir nicht direkt im Wettbewerb zu anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen, sondern verstehen uns als Ergänzung, gern auch als Helfer in Engpass-Situationen. Wir erbringen in NRW ja nur 20.000 bis 25.000 Zugkilometer im Jahr. Aber gerade deshalb ist die Kooperation für uns sehr wichtig. Denn unsere Sonderzüge können auf nahezu allen wichtigen RE-, RB- und S-Bahnlinien des Landes eingesetzt werden. Hier müssen wir uns mit den jeweiligen Betreibern selbstverständlich abstimmen und unsere Verkehre gemeinsam koordinieren. Fokus Bahn NRW strebt unter anderem den Aufbau einer gemeinsamen Verkehrskoordination und einer einheitlichen Fahrgastinformation an. Dass dies einen Mehrwert für die gesamte Branche darstellt, versteht sich von selbst. Nicht zuletzt haben das schon erwähnte Tanklastwagen-Unglück und der Brand der Eisenbahnbrücke bei Mülheim-Styrum gezeigt, dass nur eine flexible Zusammenarbeit zwischen Aufgabenträgern und Unternehmen schnelle und gute Lösungen für unser aller Fahrgäste bringt. Vor diesem Hintergrund ist auch der Verkehrsvertrag Sonderverkehre NRW ein Alleinstellungsmerkmal für den Schienenpersonennahverkehr und die Bahnbranche in NRW. Sein Erfolg hat sich herumgesprochen, sodass nun auch andere Regionen in Deutschland diesen kopieren wollen.