Nachwuchskräfte gefragt wie nie: Fokus Bahn NRW bildet für die Zukunft aus

Ein Lehrender im blauen Hemd erklärt einem Schulter etwas in einem Klassenraum. Im hintergrund sind weitere Schülerinnen zu sehen, die an Aufgaben arbeiten.

Arbeitgeber

13. Februar 2023

Nur arbeiten, um zu arbeiten? Für viele Berufseinsteiger/innen wächst der Wunsch nach einer sinnstiftenden Tätigkeit – auch wenn ein verlässliches Gehalt und ein gesicherter Arbeitsplatz weiterhin wichtig sind.


Die Ausbildung als Eisenbahner/in im Betriebsdienst bietet jungen Menschen nicht nur eine sichere Basis für ihr Berufsleben, sondern auch genügend Raum zur Selbstverwirklichung.


Jobs mit Zukunft

„Die junge Generation ist unsere Zukunft. Ihr Engagement und das Verständnis dafür, dass sich unsere Mobilität verändern muss, sind enorm. Deshalb müssen wir sie mit attraktiven Ausbildungsangeboten für die Bahnbranche gewinnen“, sagt Peter Bosse, Leiter des Fokus-Bahn-Projekts Ausbildung & Qualifizierung. Bislang fokussierte sich das Landesprogramm auf die Gewinnung und Qualifizierung von Quereinsteiger/innen, um dem Personalmangel schnell und effektiv zu begegnen. Jetzt nimmt Fokus Bahn NRW die klassischen Ausbildungswege in den Blick. „Es geht uns jetzt um die langfristige Nachwuchssicherung für die Bahn- und Mobilitätsbranche. Wir müssen auch junge Menschen erreichen, damit sie mit uns die Verkehrswende vorantreiben. Wer sich heute für die Ausbildung als Eisenbahner/in im Betriebsdienst entscheidet, wird in Zukunft einer der gefragtesten Berufsgruppen angehören,“ betont Bosse.  


In der dreijährigen, dualen Berufsausbildung lernen die angehenden Bahnerinnen und Bahner die Bahnfamilie sehr gut kennen. „Einblicke in Themenfelder wie Disposition und Werkstatt vermitteln nicht nur die Fähigkeit, ein Triebfahrzeug zu steuern, sondern das große Ganze im Blick zu behalten und die Zusammenhänge im Detail zu verstehen“, erklärt Bosse. Dass gerade langfristig mehr junge Menschen ihr Zuhause in der Bahnfamilie finden sollen, wird nicht zuletzt durch den demographischen Wandel bestärkt: 25 Prozent der heute in den Verkehrsunternehmen Beschäftigten gehen bis zum Jahr 2027 in den Ruhestand. Mindestens 300 Lokführer/innen werden jährlich gebraucht, um frei werdende Stellen neu zu besetzen. Der Bedarf wird perspektivisch noch weiter zunehmen, die Aufgaben der Verkehrswende verlangen nach zusätzlichen Fachkräften.


Zusammenhalten für die bestmögliche Ausbildung

Um die Ausbildungskapazitäten in den kommenden Jahren zu erhöhen, haben die Nahverkehrsbahnen unter dem Dach von Fokus Bahn NRW einen gemeinsamen Pilotkurs ins Leben gerufen. Die unternehmensübergreifende Kooperation ermöglicht die Umsetzung der beruflichen Ausbildung auch für die kleineren Partner/innen der Brancheninitiative. Für die zukünftigen Eisenbahner/innen im Betriebsdienst ist das durchaus attraktiv: Gewinnen Sie so doch bereits in der Ausbildung die Möglichkeit, Einblicke in verschiedene Unternehmen zu erhalten.


„Dass wir hier die Auszubildenden über Unternehmensgrenzen hinweg vernetzen, zeigt deutlich, was wir durch die Initiative bereits erreicht haben“, betont Peter Bosse. „Wettbewerber bilden gemeinsam aus, sichern eine einheitliche Qualität und fördern den Austausch. Denn klar ist: Auch wenn sich über die Jahre Streckenzuständigkeiten der EVU durch neue Ausschreibungen verändern – der Platz ganz vorne im Führerstand als Lokführerin oder Lokführer auf der Strecke bleibt sicher bis zur Rente.“


Gemeinsamer Weg für die Zukunft

Aus dem Pilotkurs setzen die Unternehmen bereits erste Erfahrungen für zukünftige, unternehmensübergreifende Ausbildungsangebote um: Fragen und Unsicherheiten mit dem Umgang von Unterschieden in der Unternehmenskultur beispielsweise führten zu einer Erarbeitung von gemeinsamen Zielen und Regeln – bis hin zur Konzeption einer Einführungswoche, um den übergreifenden Zusammenhalt von Beginn an zu stärken. Ein gemeinsamer Ausbildungsplan und die Koordination von Ausbildungszuständigkeiten innerhalb der Unternehmen stärkten die Zusammenarbeit ebenfalls.


„Die teilnehmenden Branchenpartner haben den Mehrwert der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit für sich erkannt und Informationen und Wissen offen miteinander geteilt, sodass letztendlich alle Beteiligten dazulernen konnten“, resümiert Peter Bosse. Für 2023 ist nach der Pilotierung eine Ausweitung der gemeinsamen Ausbildung „Eisenbahner/in im Betriebsdienst“ geplant. Aktuell haben bereits mehrere Eisenbahnverkehrsunternehmen Interesse signalisiert. Die Bedarfsabfrage dazu läuft. „Für uns ist dieser Kurs einmal mehr ein Zeichen, was die Partner der Initiative auf den Weg gebracht haben“, betont Bosse: „Vor einigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen."