Koordinierte Busnotverkehre bieten Fahrgästen im SPNV schnelle Hilfen in Störungsfällen

Ob Baumaßnahmen oder kurzfristige Verkehrsstörungen: Inwieweit Fahrgäste den SPNV als verlässliche Mobilitätsalternative wahrnehmen, hängt auch von der Qualität der bereitgestellten Ersatz- und Notverkehre mit Bussen ab. Alexander Golenia, Fahrgastinformationsmanager bei der Regiobahn und Mitarbeiter im Fokus-Bahn-Projekt Fokus Fahrgast, über die Bedeutung von Ersatzverkehren im System Schiene und neue Ansätze für gemeinsame Busnotverkehre.

Gerade bei unvorhersehbaren Störungen brauchen Fahrgäste im NRW-Nahverkehr schnelle Lösungen, um sicher und ohne immense Zeitverluste ihre Ziele zu erreichen. Mit der landesweiten SPNV-Regiezentrale in Duisburg haben die Eisenbahnverkehrsunternehmen bereits die Basis für die gemeinsame Koordination ihrer Verkehre und ihrer Fahrgastinformation geschaffen – nun steht im Teilprojekt Fokus Fahrgast der gemeinsame Ausbau von Busnotverkehren auf der Agenda.

Kurzfristigen Verkehrsstörungen gemeinsam begegnen

„Bei langfristig planbaren Einschränkungen auf der Strecke, beispielsweise Modernisierungsmaßnahmen in den Ferien, können wir die Fahrgäste über einen langen Zeitraum auf eventuelle Sperrungen und Umleitungen vorbereiten. Beim Busnotverkehr ist das nicht möglich. Er kommt bei unplanbaren Ereignissen zum Einsatz und berücksichtig die aktuelle Situation und die nächsten 48 Stunden – ein gutes Beispiel für einen solchen Fall sind die Unwetter im vergangenen Jahr“, erklärt Alexander Golenia. Seit März 2021 ist der Disponent und Betriebsplaner in der Leitstelle der Regiobahn tätig, seit Ende letzten Jahres arbeitet er im Qualitätsmanagement der Fahrgastinformation und bringt sein Know-how in das Projekt Fokus Fahrgast von Fokus Bahn NRW ein.

Die Bedeutung gemeinsamer Busnotverkehre ergebe sich schon aus alltäglichen, kurzfristigen Störungsfällen im System Schiene. „Wenn heruntergefallene Äste oder gerissene Oberleitungen den Zug an der Weiterfahrt hindern oder Abschnitte blockieren, ist schnelles Handeln gefragt – nicht nur auf der Strecke selbst, sondern auch für wartende Fahrgäste an den Bahnsteigen. Hier sehen wir Handlungsbedarf“, so Golenia weiter. Aktuell gebe es bei kurzfristig notwendigen Streckensperrungen oft unzureichende und teils verzögerte Informationen für die Fahrgäste zu vorhandenen Reisealternativen, da jedes Eisenbahnverkehrsunternehmen für sich die Notverkehre organisiere. Dadurch kam es in der Vergangenheit insbesondere bei Störfällen auf gemeinsam befahrenen Strecken zu Engpässen bei verfügbaren Busunternehmen oder uneinheitlichen Fahrgastinformationen.

Busnotverkehre in den SPNV einbinden

Im Rahmen des Projekts Fokus Fahrgast sollen Busnotverkehre nun übergreifend und koordiniert gestaltet werden. Dafür soll das Team für die Fahrgastinformation in der SPNV-Regiezentrale NRW gestärkt bzw. um Koordinator/innen für Busnotverkehre erweitert werden. Sie sollen Synergien erschließen und den unternehmensübergreifenden Einsatz von Bussen optimieren. Neben einer gut erkennbaren und verständlichen Beschilderung der Haltestellen für Ersatz- und Busnotverkehre an Bahnhöfen und Stationen spielen dabei auch die für den Fahrgast nicht sichtbaren Prozesse eine entscheidende Rolle: „Hinter den Kulissen ist das System Schiene sehr komplex“, weiß Golenia.

In einer Kommunikationskette könne das Endergebnis nur dann optimal für den Fahrgast aufbereitet sein, wenn jede einzelne Zwischenstation funktioniert. „Wir prüfen die Softwares, erarbeiten Schulungen für die Mitarbeitenden und untersuchen, an welchen Stellen wir die Abläufe und Wissensvermittlung weiter ausbauen können. Auch in die Ausbildung zukünftiger Disponentinnen und Disponenten fließen die neugewonnen Erkenntnisse mit ein.“

Seine eigenen Erfahrungen als Disponent und Betriebsplaner mit beruflichem Hintergrund aus der Busverkehrsbranche helfen Alexander Golenia dabei, Potenziale aufzuzeigen. „Ich freue mich sehr, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, in der Initiative mitzuwirken und auch im großen Rahmen etwas zu bewegen!“