Orientierungscenter TÜV Nord unterstützt Interessierte bei ihrem Start in die Bahnbranche

Drei Fragen an Klaus Führ, TÜV NORD Bildung

Infolge der Pandemie erlebt die Bahnbranche seit einigen Monaten einen deutlichen Zuwachs an Bewerber/innen für eine Lokführerumschulung. Aber nicht alle wissen um die hohen Anforderungen des Berufs und der Qualifizierung. Klaus Führ von der TÜV NORD Bildung gGmbH erklärt, warum die berufliche Orientierung für interessierte Umschüler/innen so wichtig ist und die Erfolgsquoten der Lokführerausbildung verbessern kann.

TÜV NORD Bildung bietet neben der Ausbildung von Lokführer/innen vorbereitende Orientierungswochen für Umschulungsinteressenten an. An wen richten sich diese Maßnahmen?

Klaus Führ: Das Orientierungscenter richtet sich an alle Interessenten, die den Beruf Triebfahrzeugführer/in kennenlernen möchten und sich eine Qualifizierung in diesem Bereich vorstellen können. Sie lernen den Umfang und den Schwierigkeitsgrad der Ausbildung kennen. Als geeignet gilt, wer über 21 Jahre alt ist sowie einen Schulabschluss Sekundarstufe I und/oder einen Berufsabschluss vorweisen kann. Die Teilnahme an dieser Maßnahme erfolgt über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein.

Was genau beinhaltet das Orientierungscenter zur Vorbereitung auf die Ausbildung Triebfahrzeugführer/in und wie ist der Ablauf?

Klaus Führ: Unsere Ausbilder/innen in Orientierungscenter unterrichten in allen ausbildungsrelevanten Themengrundlagen. Diese werden dann auch in einer Prüfung abgefragt. So wird bei jedem Teilnehmer und jeder Teilnehmerin eruiert, wie sie mit dem Erlernen neuer Inhalte und auch mit Prüfungsstress umgehen. Diese intellektuelle Leistungsfähigkeit ist wichtig für den erfolgreichen Abschluss einer Qualifizierung als Triebfahrzeugführer/in. Das Bestehen dieser Prüfung ist für uns ausschlaggebend, die Zusage zur Teilnahme an einer anschließenden Ausbildung zu geben.

Im Orientierungscenter lernen die Teilnehmer/innen auch die genauen Anforderungen kennen, die sie als Triebfahrzeugführer/innen im Berufsumfeld erfüllen müssen. Dazu gehören neben Arbeitszeiten und Einsatzgebieten beispielsweise Verantwortungsbewusstsein und Pünktlichkeit. Zudem können die Teilnehmer/innen am Simulator ihre kognitiven und motorischen Fähigkeiten für den Beruf testen und unter Beweis stellen, ob sie Stresssituationen standhalten können.

Neben dem fachlichen Unterricht gibt es auch ein Bewerbungstraining. Unsere Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass viele Teilnehmer/innen schon während ihrer anschließenden Qualifizierung zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden.

Die Abbruch- und Durchfallquoten in der Lokführerumschulung produzieren hohe Kosten und sind frustrierend für die Teilnehmer/innen. Wo sehen Sie die zentralen Ursachen? Und was kann man dagegen tun?

Klaus Führ: Der Beruf als Triebfahrzeugführer/in ist im Alltag nicht erlebbar und so wissen viele Interessenten nicht um den hohen Schwierigkeitsgrad der Qualifizierung. Das ist eine anspruchsvolle Ausbildung in sehr kurzer Zeit. Die Umschüler/innen müssen sich ganz dem Ziel verschreiben, diesen Beruf erlernen zu wollen. Sie müssen in der Zeit des Lernens auf viel Gewohntes in ihrem Leben verzichten. Es ist wichtig, darauf und auf die anstehenden Prüfungselemente frühzeitig hinzuweisen – auch vor dem Hintergrund, dass beispielsweise Bahntauglichkeitsuntersuchungen häufig erst während der Qualifizierung stattfinden. Diese stellen eine weitere Herausforderung dar, und ein negatives Untersuchungsergebnis führt zum vorzeitigen Abbruch der Umschulung.

Neben Engagement, Flexibilität und Lernbereitschaft ist für die Qualifizierung als Triebfahrzeugführer/in auch ein guter Umgang mit der deutschen Sprache wichtig. Um Lernbereitschaft, Motivation und grundlegende Fähigkeiten von interessierten Bewerber/innen frühzeitig herauszufinden, haben wir das Orientierungscenter als Vorschaltmaßnahme entwickelt. Es gilt, jede interessierte Bewerberin und jeden interessierten Bewerber kennenzulernen und herauszufinden, ob sie auch die notwendigen Soft Skills für den Lokführerberuf mitbringen.