Studie belegt: Kein erhöhtes Infektionsrisiko in Zügen

Kontaktbeschränkungen, Hygienekonzepte und Lockdown – auch beim Öffentlichen Personennahverkehr sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar. Bei vielen Fahrgästen stieg mit den Infektionszahlen auch die Verunsicherung hinsichtlich der Sicherheit öffentlicher Verkehrsmittel. Eine gemeinsame Studie der Charité Research Organisation und der Deutschen Bahn schafft nun Klarheit: Für ein erhöhtes Infektionsrisiko in Zügen gibt es keinen Anhaltspunkt.

Obwohl seit Ausbruch der Corona-Pandemie das öffentliche Leben zum Schutz der Bevölkerung deutlich eingeschränkt wurde, konnten die Bahnen in NRW in partnerschaftlicher Zusammenarbeit für die Fahrgäste durchgängig ein stabiles Grundangebot an Verkehrsleistungen sicherstellen. Doch auch wenn nach Lockerung der behördlichen Auflagen das Angebot wieder fast zum Ausgangsniveau vor der Krise ausgeweitet wurde, liegen die Fahrgastzahlen seit Lockdown im März unter dem Vorjahrsniveau. Eine drastische Entwicklung, weiß auch Dr.-Ing. Frederic Rudolph vom Wuppertal Institut. Selbst in Pandemie-Zeiten bleibe die zwingende Notwendigkeit einer Verkehrswende bestehen. Kurze Wege aus Angst vor einer Ansteckung wieder mit dem Pkw zu beschreiten, ist eine Entwicklung in die falsche Richtung.

Über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DB getestet

Dieser Tendenz kann nun das Ergebnis der aktuellen Studie der Charité Research Organisation in Kooperation mit der DB Fernverkehr AG entgegenwirken, die Transparenz über Corona-Infektionen im Betrieb der DB Fernverkehr AG schaffen soll. Zwischen dem 29. Juni und dem 3. Juli wurden über 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DB per Rachen-Abstrich auf akute und mittels Bluttests auf überstandene SARS-CoV-2-Infektionen hin untersucht. Dabei wurden drei unterschiedliche Berufsgruppen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern an den vier Standorten Berlin, Frankfurt, Hamburg und München getestet und anschließend befragt:

  • Zugbegleitpersonal, das häufigem berufsbedingten Personenkontakt ausgesetzt ist,
  • Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer, die mit etwas weniger Personen in Kontakt kommen, sowie
  • Handwerkerinnen und Handwerker, die Kontakt zu wenigen, gleichbleibenden Kollegen haben.

Weitere Testreihe startet im Oktober

Das Ergebnis: Nur einer der über 1.000 getesteten Personen wurde positiv auf eine akute Infektion getestet. Lediglich bei 1,3 Prozent der Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter konnten Antikörper und damit eine bereits überstandene Corona-Infektion nachgewiesen werden. Bei den Mitarbeitern ohne Kundenkontakt waren es 2,7 Prozent. Hier zeigt sich: Anders als erwartet, ist das Zugbegleitpersonal mit häufigem Personenkontakt nicht häufiger betroffen, als die beiden Vergleichsgruppen. Wissenschaftliche Anhaltspunkte für ein erhöhtes Infektionsrisiko in Züge sind daher nicht gegeben. Weitere Testreihen im Oktober 2020 und Februar nächsten Jahres, werden zusätzliche Ergebnisse liefern.