Sebastian Salewski leitet die Stabsstelle Fokus Bahn NRW

Ein Foto aus einer Arbeitssitzung des Lenkungskreises Fokus Bahn NRW.

Programm

15. Juli 2026

Staffelübergabe: Erfolgsgeschichte mit neuem Kurs

Sebastian Salewski, Gruppenleiter im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (MUNV) und ein erfahrener Kenner von Schienenverkehr und Infrastrukturthemen, hat die Leitung der Stabsstelle Fokus Bahn NRW im MUNV übernommen. 


Mit der Gesamtsteuerung durch die VDV Academy & Training GmbH, eine Gesellschaft der Branchenvertretung Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), startete Fokus Bahn NRW Anfang 2026 in eine neue Phase: Aus dem befristeten Landesprogramm ist eine auf mehrere Jahre angelegte Brancheninitiative geworden. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Initiative weiter, um die Erfolge der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) langfristig zu sichern. Sebastian Salewski, neuer Leiter der Stabsstelle im MUNV, erläutert die Erwartungen an die Initiative und ihre Partner – und was sich bei Zuverlässigkeit und Fahrgastinformation im NRW-Schienenverkehr konkret verbessern muss.

Porträtfoto von Sebastian Salewski, Landesministerialrat im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW und Leiter der Stabsstelle Fokus Bahn NRW 2026 Quote

Wir verstehen Fokus Bahn als wichtige Austauschplattform zwischen Aufgabenträgern, Eisenbahnverkehrsunternehmen und dem Verkehrsministerium.

Sebastian Salewski

Gruppenleiter Eisenbahn, ÖPNV, Schieneninfrastruktur-Bedarfsplanung, Häfen, Güterverkehr MUNV NRW / Stabsstellenleiter Fokus Bahn NRW


Fokus Bahn NRW macht als Brancheninitiative unter dem Dach der VDV Academy & Training weiter. Das Land zieht sich aus der ersten Reihe zurück, bleibt aber weiter beim erfolgreichen Landesprogramm mit an Bord. Was ist die Idee dabei?


Salewski: Die Idee ist klar: Was in den letzten Jahren aufgebaut worden ist, ist eine echte Erfolgsgeschichte und soll weitergehen. Das Land hat Fokus Bahn NRW als Initiator und Ideengeber angestoßen. Die sechs erfolgreichen Jahre haben aber gezeigt, dass das zeitlich befristet angelegte Programm dauerhaft gebraucht wird. Deshalb ist es konsequent, die Verantwortung an die Branche, vor allem auch an die Eisenbahnverkehrsunternehmen, zu übergeben und Fokus Bahn als echte Brancheninitiative weiterzuführen. Das Land bleibt dabei, als Partner und Treiber, aber nicht mehr als zentraler Finanzier.


Die unternehmensübergreifende Qualifizierung von Triebfahrzeugführerinnen und -führern war eine der Erfolgsmaßnahmen von Fokus Bahn NRW in den letzten Jahren. Aktuell sind die sogenannten personalbedingten Ausfälle deutlich zurück gegangen. Warum muss es Fokus Bahn NRW weiterhin geben?


Salewski: Weil sich an der grundlegenden Situation nichts geändert hat. Die Ausgangslage, aus der heraus Fokus Bahn NRW entstanden ist, war der absehbare Fachkräftemangel durch den demografischen Wandel. Dieser Wandel wird in den nächsten fünf bis acht Jahren noch deutlich stärker zuschlagen als bisher. Die aktuellen Erfolge bei den personalbedingten Ausfällen sind erfreulich, aber wir dürfen bei der Ausbildung jetzt nicht nachlassen. Wir müssen weitermachen, die Qualifizierung ausbauen und breiter aufstellen. Und dafür braucht es weiterhin eine strukturierte, unternehmensübergreifende Initiative wie Fokus Bahn NRW.


Sie leiten Stabsstelle Fokus Bahn NRW im MUNV? Was genau ist Ihre Aufgabe dort?


Salewski: Im Kern geht es darum, einen zentralen Ansprechpartner zu bieten – sowohl innerhalb des Ministeriums als auch für alle Beteiligten von Fokus Bahn NRW nach außen. Alle relevanten Informationen und Entscheidungen laufen in der Stabsstelle zusammen. Das klingt vielleicht nach reiner Verwaltung, ist es aber nicht. Mir ist besonders wichtig, dass das, was wir aus der Branche erfahren, in die reguläre Arbeit der zuständigen Gruppen und Referate zurückfließt, dass Handlungsfelder erkennbar und bearbeitet werden. Denn ÖPNV und SPNV sind ein weites Feld, in dem viele Kolleginnen und Kollegen nur für bestimmte Teilabschnitte verantwortlich sind. Die Stabsstelle bringt die richtigen Akteure zusammen, gerade bei aktuellen Lagen und Herausforderungen.

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Die Stabsstelle Fokus Bahn NRW ist die direkte Verbindung zwischen Bahnbranche und Ministerium – und das ist, soweit ich weiß, bundesweit einmalig.

Sebastian Salewski


Zuverlässigkeit und Fahrgastinformation sind für die meisten Fahrgäste die täglichen Lackmustests im SPNV-Betrieb. Welchen Beitrag erwarten Sie in Zukunft von Fokus Bahn im Hinblick auf diese beiden Faktoren? 


Salewski: Bahnfahren muss so einfach sein wie ins Auto einzusteigen. Das ist der Maßstab und der wird im Moment leider zu selten erreicht – nicht nur wegen Personalengpässen, sondern auch wegen einer in die Jahre gekommenen, störungsanfälligen Infrastruktur und des enorm gewachsenen Baustellengeschehens. 


Was Fokus Bahn hier konkret leisten kann und muss: das Thema Fahrgastinformation in den Griff bekommen. Kein Fahrgast sollte erst am Gleis erfahren, ob sein Zug kommt oder nicht. Die gesamte Reisekette muss schon vor dem Verlassen des Hauses über funktionierende App-Systeme in Echtzeit verfügbar sein. Fokus Bahn NRW konzentriert sich hier bewusst auf wenige Projekte, dafür mit Tiefe. Ein konkretes Vorhaben ist das Zugradar: Fahrgäste sollen in Echtzeit sehen können, wo ihr Zug gerade steht und ob Prognosen plausibel sind.


Ein weiterer konkreter Hebel ist die Optimierung der SPNV-Regiezentrale NRW in Duisburg. Dort werden auf engem Raum viele Entscheidungen getroffen, die das Fahrgeschehen beeinflussen, und dafür müssen die Kommunikationswege noch effizienter werden: physisch, indem die handelnden Personen noch enger zusammenarbeiten, und technisch, indem Medienbrüche etwa durch neue KI-gestützte Lösungen reduziert werden. Fokus Bahn NRW bringt dafür alle relevanten Akteure an einen Tisch – Eisenbahnverkehrsunternehmen, DB InfraGo und Aufgabenträger, welche die digitalen Schnittstellen für fahrgastrelevante Informationen betreiben.


Sechs Jahre Fokus Bahn haben bewiesen, dass gemeinsames Handeln wirkt und Strukturen lernfähig sind. Dennoch müssen Wettbewerb und Kooperation im SPNV neu austariert werden. Das Land hat mit der zukünftig geplanten Bündelung vieler Leistungen bei Schiene.NRW sein Konzept dafür auf den Tisch gelegt. Ist das der Startschuss für mehr Zuverlässigkeit und bessere Fahrgastinformation im SPNV Nordrhein-Westfalens?


Salewski: Auf jeden Fall. Die aktuelle Strukturreform im SPNV Nordrhein-Westfalens schafft die Voraussetzungen, um die drängenden Themen wirklich anzugehen. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Fokus Bahn NRW: Alle müssen an einem Strang ziehen. Dabei verschlanken wir mit Schiene.NRW die Strukturen. Statt dreier SPNV-Aufgabenträger gibt es künftig eine zentrale Einrichtung, und das schafft die Möglichkeit, effizienter zu handeln und die drängenden Themen intensiver anzugehen: Fahrgastinformation, Zuverlässigkeit und die grundlegende Frage, wie der Wettbewerb auf der Schiene künftig ausgestaltet sein soll. Mit einer zentralen Aufgabenträgerschaft entsteht ein einheitlicher Markt für SPNV-Leistungen in NRW, der uns eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber Infrastrukturbetreibern und Eisenbahnverkehrsunternehmen gibt. Schiene.NRW wird zudem eine bedeutende Rolle einnehmen, wenn es um Baustellenplanung und Abstimmungsprozesse mit DB InfraGo in den Regionen geht. Das Know-how darüber, welche Baumaßnahmen wo und in welcher Reihenfolge sinnvoll sind, liegt in NRW vor Ort. Es geht darum, Baustellen besser zu koordinieren, Synergieeffekte zu nutzen und sicherzustellen, dass der Schienenersatzverkehr nicht auf gesperrten Straßen enden muss. Das ist die Pflicht. Die Kür ist, Generalsanierungskorridore so zu nutzen, dass möglichst viele anstehende Baumaßnahmen gebündelt und damit effizienter umgesetzt werden.

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Der Gründungsprozess von Schiene.NRW soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Eine lange Einarbeitungsphase danach kann es nicht geben, das wäre angesichts der drängenden Probleme auf der Schiene den Fahrgästen gegenüber schlicht nicht zu vermitteln.

Sebastian Salewski