SPNV-Regiezentrale NRW setzt auf moderne Arbeitswelten

Arbeitssituation in einer Bahnleitstelle, konkret in der SPNV Regiezentrale NRW in Duisburg

Fahrgast

09. Dezember 2025

Kurze Wege, schnelle Entscheidungen

Durch räumliche Optimierung Arbeitsprozesse verbessern und die kollegiale Zusammenarbeit stärken, Störungsauswirkungen verringern und die Fahrgastinformation verbessern: Diese Ziele verbinden sich mit dem Aus- bzw. Neubau der SPNV-Regiezentrale NRW in Duisburg. Besonders hervorzuheben sind die Workshops, in denen die Mitarbeitenden ihre Ideen und ihre Ansprüche an einen modernen Arbeitsplatz einbringen konnten. Dieter Harder und Herbert Niebuhr haben sie begleitet: auf dem gemeinsamen Weg in eine modernere Arbeitswelt.


Tagtäglich ist der Nahverkehr auf der Schiene in NRW von Störfällen betroffen, in Summe rund 30 Prozent des Verkehrsangebots. Gerade in höchsten Stressituationen ist dann eine reibungslose unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in der Disposition gefragt – Teamwork im Sinne der Fahrgäste. Dafür arbeiten die NRW-Nahverkehrsbahnen in der SPNV-Regiezentrale NRW mit Kolleginnen und Kollegen von DB InfraGo sowie aus dem DB-Fernverkehr zusammen. Sie verbindet der gemeinsame Anspruch, Verkehre insbesondere in Störfällen besser zu koordinieren und die Fahrgäste besser zu informieren. „Das hört sich immer so einfach an. Aber Disposition ist hochkomplex, besonders in einem Schienennetz, das so dicht befahren ist wie das in NRW. Angesichts der umfangreichen Baumaßnahmen und einer insgesamt höchst störanfälligen Infrastruktur wird die Koordination von Verkehren immer herausfordernder“, weiß Dieter Harder. Als ehemalige Bahner begleiten er und sein früherer Kollege Herbert Niebuhr seit rund zwei Jahren den Ausbau der SPNV-Regiezentrale NRW in Duisburg. Job-Crafting und Teambuilding sind dabei ihre Aufgaben. Es gilt, Ideen und Wissen der Mitarbeitenden in den Ausbauprozess einzubringen und damit die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit weiter zu stärken.

Portrait von Dieter Harder, Koordinator des Mentorenprogramms Quote

Die Arbeit der Disponenten erfordert höchste Konzentration über acht Stunden. Sie müssen in Störungsfällen kurzfristig die richtigen Entscheidungen treffen, immer im Sinne der betroffenen Fahrgäste handeln. Angesichts der Stressbelastung brauchen sie funktionale Arbeitsplätze und ein gesundes Arbeitsumfeld.

Dieter Harder

Fokus Bahn NRW, Workshopkoordinator SPNV-Regiezentrale


Arbeitsplätze für mehr Zusammenarbeit

Für den Ausbau der SPNV-Regiezentrale NRW koordinierten Harder und Niebuhr eine Reihe von Workshops, in denen die Mitarbeitenden der Regiezentrale notwendige Anforderungen an ihre Arbeitsplätze definierten und schließlich das Raumkonzept für die Rekonstruktion aufstellten. Dabei wurden technische Notwendigkeiten und Vorgaben zum Arbeitsschutz mit dem persönlichen Wohlbefinden der Mitarbeitenden in Einklang gebracht. „Früher waren die Räume für Bildschirmarbeit dunkel. Das ist nicht mehr nötig und eine so extrem konzentrative Arbeit wie die Disposition im SPNV verlangt nach hellen, freundlichen Räumen, die auch Gelegenheiten zur kurzen Erholung bieten“, erläutert Harder. Die Ergebnisse aus den einzelnen Workshops wurden auf einem „Marktplatz“ auch den Mitarbeitenden zur Diskussion gestellt, die nicht teilnehmen konnten. So vertiefte sich das gemeinsame Verständnis über die gemeinsamen Aufgaben und die notwendige Zusammenarbeit für das System SPNV und seine Fahrgäste.

Quote

Der Ausbau der SPNV-Regiezentrale NRW und der Prozess der räumlichen Optimierung verbinden sich mit einer inhaltlichen Restrukturierung der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit, die zukünftig auch in den Verkehrsverträgen definiert werden sollte.

Dieter Harder


Direkter Austausch beschleunigt Prozesse

Für den Neubau der SPNV-Regiezentrale NRW hatten die Mitarbeitenden eine klares Leitmotiv gesetzt: Schnelle, umfassende Information, kurze Wege, prozessoptimierte Arbeitsplatzanordnung. Zukünftig werden die Arbeitsplätze sinnvoll nach Prozessen und Aufgaben angeordnet. Damit werden der Informationsfluss und der Austausch zwischen den Disponent/innen, den Koordinator/innen für die Fahrgastinformation und den Koordinator/innen für den Busnotverkehr unterstützt. Auch die Entscheidungsträger werden räumlich zusammengerückt, um Abstimmungswege möglichst kurz zu halten. „Am Ende profitiert davon der Fahrgast, der in Störungsfällen schneller weiß, was los ist und wie er weiterkommt“, beschreibt Harder das Ziel des Neubaus. Die Umsetzung ist im Herbst 2026 geplant.

Quote

Die Möglichkeit, den eigenen Arbeitsplatz ein Stück weit mitgestalten zu können, wirkt anziehend auf Talente, macht Mitarbeitende zufriedener und stärkt ihre Bindung. Ein arbeitnehmerfreundliches Büro steigert zudem die Effizienz und fördert die Unternehmenskultur.

Dieter Harder


Zum Auf- und Ausbau der SPNV-Regiezentrale NRW

Mit der Einführung des Plankorridors Köln-Dortmund begann der Aufbau der unternehmensübergreifenden SPNV-Regiezentrale NRW. Ende 2018 startete das sogenannte Korridorteam mit Disponent/innen von DB Regio und dem früheren Eisenbahnverkehrsunternehmen Abellio sowie Kolleg/innen von DB InfraGo (damals DB Netz und DB Station & Service) sowie DB Fernverkehr die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in der Duisburger Betriebszentrale. Nachdem sich die Betriebsqualität im Korridor deutlich gesteigert hatte, wurde der erste Stufenplan zur Integration aller SPNV-Linien in eine gemeinsame Disposition aufgestellt und als Teilprojekt im Landesprogramm Fokus Bahn NRW verankert. 
Es folgte ein kontinuierlicher Ausbau, der auch neue Berufsbilder wie Koordinator/in für die Fahrgastinformation oder Koordinator/in für Busnotverkehre implementierte. Inzwischen sind 34 Arbeitsplätze in der SPNV-Regiezentrale NRW eingerichtet. Im Drei-Schicht-Dienst koordinieren mehr als 100 Mitarbeitende aus neun Unternehmen ihre Verkehre auf gemeinsamen Strecken und Korridoren. In der nächsten Ausbaustufe wird die Zahl der Arbeitsplätze auf bis zu 42 erhöht werden.

Ikon von einem Finger. Der Finger zeigt auf ein I.
Zu den Personen

Dieter Harder engagiert sich bei Fokus Bahn NRW insbesondere auch als Leiter des ehrenamtlichen Mentorenprogramms.

Herbert Niebuhr war, neben freiberuflicher Arbeit, nach einem Beratungsauftrag 14 Jahre als Leiter Fahrzeugbehandlung, Verkehrsbetriebsleiter und Leiter Fahrzeuginstandhaltung für die DB in NRW tätig. Seit acht Jahren begleitet er wieder in Vollzeit Unternehmen bei vielfältigen Projekten.