zuginfo.nrw hebt die Fahrgastinformation auf ein neues Level

5 Fragen an Georg Seifert, Projektleiter Fokus Fahrgast

Ob kurzfristige Verkehrsstörungen oder langfristige Baustellen: zuginfo.nrw bündelt alle fahrgastrelevanten Informationen zum Schienenpersonennahverkehr. Im Interview beschreibt Georg Seifert, Projektleiter Fokus Fahrgast, die Ziele für die Vernetzung im SPNV und für die Fahrgastinformation in NRW.

Fahrgastinformationssysteme gibt es einige. Warum braucht der SPNV in Nordrhein-Westfalen zuginfo.nrw?

Seifert: Die Fahrgastinformation ist ein zentraler Marker für die Systemqualität des SPNV – und die Anforderungen der Fahrgäste sind hoch. Sie sehen den SPNV als Gesamtangebot und deshalb muss auch die Fahrgastinformation ein Gesamtangebot sein, unabhängig vom jeweiligen Betreiber. Mit zuginfo.nrw können wir genau diese Anforderung erfüllen. Wir haben eine Plattform, die es uns ermöglicht, die Kund/innen im SPNV über alle relevanten Aspekte ihrer Fahrten zu informieren – und zwar präzise, immer aktuell und konsistent über alle Medien bzw. die vielen verschiedenen Informationssysteme hinweg.

Wie funktioniert zuginfo.nrw? Woher kommen die Daten?

Seifert: zuginfo.nrw erhält seine Informationen direkt aus der SPNV-Regiezentrale NRW in Duisburg. Hier arbeiten die Disponent:innen der verschiedenen Nahverkehrsbahnen zusammen. Bereits 90 Prozent der S-Bahn-, Regionalbahn- und Regionalexpressverkehre in Nordrhein-Westfalen werden hier unternehmensübergreifend gesteuert, kurzfristige oder auch längere Störungen gemeinsam gemanagt. An der Seite der Disponent:innen sitzen unsere KoFis, de Koordinator/innen für die Fahrgastinformation. Sie stellen alle verfügbaren Informationen über Betriebseinschränkungen zusammen und bereiten diese in einem Content-Management-System auf. Als Reisendeninformation werden sie dann in Echtzeit über zuginfo.nrw und weitere digitale Auskunftssysteme ausgespielt.

Welche Informationen sind über zuginfo.nrw verfügbar?

Seifert: zuginfo.nrw informiert über Bauarbeiten, Unfälle, technische oder betriebliche Störungen und eigentlich alle Ereignisse, die im SPNV Nordrhein-Westfalens zu Beeinträchtigungen führen – und zwar liniengenau, für nahezu alle Strecken, auf Wunsch auch übersichtlich auf einer Karte und immer in Echtzeit. Dabei werden beispielsweise Informationen zu geplanten Baustellen schon einige Zeit vorher regelmäßig angekündigt und mit genauen Fahrplaninformationen zum Baustellen- oder zum Schienenersatzverkehr hinterlegt.

Welchen konkreten Nutzen haben die Fahrgäste davon?

Seifert: Die Fahrgäste erhalten die Informationen über Störungen auf ihrer Strecke sofort, wenn sie sie brauchen, und das konsistent über alle Auskunftsmedien hinweg. Die meisten Nahverkehrsbahnen in NRW haben die Informationen aus zuginfo.nrw bereits in ihre Websites eingebunden. Dabei ist zuginfo.nrw mehr als ein technisches und organisatorisches Hintergrundsystem für die verschiedenen Apps und Auskunftssysteme. Der Service von zuginfo.nrw steht allen SPNV-Kund/innen in Nordrhein-Westfalen direkt zur Verfügung – und zwar nicht nur auf der gleichnamigen Website, sondern auch über verschiedene Push-Kanäle, die kostenlos abonniert werden können. Per E-Mail, als Web-Push-Abo oder über die Notify-App erhalten Fahrgäste aktuelle Informationen zu favorisierten Stecken und Linien direkt in ihr Postfach, auf ihren Bildschirm oder auf ihr Smartphone. Das System kann dabei auch persönliche Fahrtage und Zeitfenster berücksichtigen. zuginfo.nrw ist praktisch ein persönlicher, digitaler Linienassistent und hebt die Fahrgastinformation auf ein neues Level.

zuginfo.nrw ist aus dem RRX-Vorlaufbetrieb erwachsen. Welche Ziele verbindet Fokus Bahn NRW mit dem weiteren Ausbau des Systems?

Seifert: zuginfo.nrw steht für ein unternehmensübergreifendes Störfall- und Informationsmanagement im landesweiten SPNV. Das ist bundesweit in dieser Form einmalig, und die Einbindung in das Landesprogramm Fokus Bahn NRW unterstreicht die besondere Bedeutung der digitalen und operativen Vernetzung für die Bahnbranche, von der das System Schiene auch bundesweit profitieren könnte. Selbstverständlich möchten wir bei dem, was wir schon erreicht haben, nicht aufhören und die Fahrgastinformation über zuginfo.nrw sukzessive erweitern. Ein Ziel ist es, die Informationslagen in Störungsfällen durch zusätzliche, die Prognose der Züge ergänzende Informationen auch qualitativ zu verbessern. Damit schaffen wir echte Mehrwerte, welche die Zufriedenheit der Kund/innen langfristig erhöhen. Darüber hinaus wollen wir die operative und digitale Vernetzung der Bahnen in NRW weiter ausbauen – etwa bei der Planung, Umsetzung und Kommunikation von Baustellen und Ersatzverkehren.