KarriereSchiene: Gemeinsam gegen den Personalmangel

Das Bild zeigt das Plakatmotiv für die Veranstaltung KarriereSchiene

Arbeitgeber

01. August 2024

Fokus Bahn NRW organisiert ein neues Recruitingformat

Heinrich Brüggemann, Leiter des Projekts „Ausbildung und Qualifizierung“, erklärt die Hintergründe des Fachkräftemangels im SPNV und wie die Personalgewinnung noch einmal forciert wird.


Vor knapp einem Jahr hat NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer eine großangelegte Beschäftigungsoffensive für den SPNV ausgerufen. Seitdem läuft das Recruiting der Bahnen in NRW auf Hochtouren. „In diesem Jahr werden durch unternehmensübergreifende Kurse über 350 Lokführerinnen und Lokführer qualifiziert" , zieht Projektleiter Heinrich Brüggemann Bilanz und räumt zugleich ein, dass der Personalbedarf im nächsten Jahr keinesfalls geringer sein werde. Im Interview beschreibt er, wie Fokus Bahn NRW die Personalgewinnung für den SPNV mit dem Branchentreff KarriereSchienejetzt noch einmal ankurbeln will.


Die Erfolge, die Fokus Bahn NRW im Recruiting und in der Qualifizierung erreicht hat, sind in Zahlen messbar. Warum ist der Fachkräftemangel in der Bahnbranche nach wie vor ein so großes Problem?


Heinrich Brüggemann: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen gewinnt der demografische Wandel gerade noch einmal an Fahrt. Bis 2027 werden allein in Nordrhein-Westfalen 20 Prozent der heutigen rund 3.000 Lokführerinnen und Lokführer in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Vor allem aber haben die deutlich gestiegene Fluktuation und die massiv erhöhte Krankenquote in diesem Beruf Auswirkungen, die so nicht vorhersehbar waren. Hintergrund sind Belastungen für die Mitarbeitenden im Fahrbetrieb und in der Disposition durch die mehr als umfangreichen Baumaßnahmen im Netz und eine insgesamt störungsanfällige Infrastruktur. Die neuen Tarifmodelle, die Mitarbeitenden mehr Freizeit ermöglichen, werden ebenfalls den Bedarf noch einmal um einige Hundert Lokführerinnen und Lokführer erhöhen. Nicht zuletzt verlangt die Mobilitätswende nach mehr Personal für den gesamten ÖPNV. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hat dazu die Zahlen ermittelt: Der ÖPNV NRW braucht in den nächsten sechs Jahren insgesamt 45.000 Fachkräfte; 20.000 Stellen werden altersbedingt frei, 25.000 Stellen müssten für die Mobilitätswende geschaffen werden.

Der Fachkräftemangel ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung – und auf der Schiene wie in vielen Branchen deutlich spürbar.

Heinrich Brüggemann

Projektleiter Fokus Ausbildung und Qualifizierung

Portrait von Heinrich Brüggemann (Verkehrsministerium NRW) Quote

Das Land hat im September 2023 einmalig sechs Millionen Euro für die Beschäftigungsoffensive im SPNV NRW bereit gestellt. Inwieweit hat das die Bahnbranche weiter gebracht?


Heinrich Brüggemann: Die Beschäftigungsoffensive hat uns ermöglicht, das Bewerberprogramm der Bahnen in NRW und die unternehmensübergreifende Qualifizierung mit 24 gezielten Maßnahmen auszubauen. Durch gemeinsame Auftritte auf Jobmessen und eigene Job-Speed-Datings konnten die Eisenbahnunternehmen rund 1.500 Interessenten erreichen; zudem gehen rund 300 Bewerbungen monatlich online über die gemeinsame Website ein. Insbesondere wurden die Kurskapazitäten gesteigertIn diesem Jahr werden durch die unternehmensübergreifenden Kurse von Fokus Bahn NRW und der Beschäftigungsoffensive über 350 Lokführerinnen und Lokführer qualifiziert. Gleichzeitig werden wir in den nächsten zwölf Monaten noch einmal so viele Fachkräfte brauchen, um den Bedarf nachhaltig zu decken. Wir dürfen also in unseren Anstrengungen auf keinen Fall nachlassen.


Das hört sich so an, als sei die Personalgewinnung für die Bahnbranche eine Sisyphosarbeit?


Heinrich Brüggemann: Die gute Botschaft ist, dass der Lokführerberuf mittlerweile in NRW so attraktiv ist wie nie zuvor. Der Fachkräftemangel wird jedoch in den nächsten Jahren als Herausforderung bleiben, die Bahnbranche muss ihr Recruiting fortlaufend weiterentwickeln, neue Trends, Themen und Best Cases identifizieren und für sich nutzbar machen. Dabei wird Fokus Bahn NRW weiterhin gezielt unterstützen – konzeptionell und ganz praktisch, zum Beispiel mit der KarriereSchiene, der ersten eigenen Jobmesse der Bahnbranche in NRW am 23. August im Colosseum Theater in Essen.

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Die Bahnunternehmen haben verstanden, dass die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in der Fachkräftegewinnung ein entscheidender Erfolgsfaktor ist und wollen ihre Recruitingprozesse weiter professionalisieren.

Wie unterstützt die KarriereSchiene die Bahnbranche beim Recruiting?


Heinrich Brüggemann: Mit der KarriereSchiene wollen wir zwei Ziele erreichen: die Wahrnehmung der Branche als attraktiver Arbeitgeber und die Gewinnung möglichst vieler Menschen für die Mangelberufe bei den Bahnen in NRW. Das Format ist gänzlich neu und startet mit einem Kongressteil, bestehend aus HR-Dialog und Branchentreff für Bahnunternehmen, Bildungsträger und Arbeitsagenturen.Dazu eingeladen sind auch interessierte Verkehrspolitikerinnen und -politiker, die sich hier ein Bild von dem wirklich außerordentlichen Engagement der Bahnen in NRW machen können, vielleicht aber auch den ein oder anderen Impuls geben werden. Besonders freue ich mich, dass Minister Oliver Krischer seine Teilnahme schon zugesagt hat. Nach dem internen Austausch wird die gemeinsame Jobmesse eröffnet. Hier können dann die Personalverantwortlichen ihre Unternehmen präsentieren, interessierte Bewerberinnen und Bewerber persönlich ansprechen und vor Ort neue Fachkräfte zu gewinnen.


Die KarriereSchiene richtet sich ganz gezielt an die Mitarbeitenden in den HR-Abteilungen. Welche Trends sind für das Personalwesen der Bahnbranche wichtig?


Heinrich Brüggemann: Im HR-Management hat die Bahnbranche gemeinsame Leitfragen: Wie gewinnen wir die besten Talente? Wie können wir unsere Mitarbeitenden langfristig binden? Wie lassen sich Recruiting-Prozesse beschleunigen und qualitativ verbessern n? Die KarriereSchiene bietet hier einen Raum für Austausch über Best Practices. Was die KarriereSchiene dabei von anderen HR-Dialogen unterscheidet, das ist zum einen der klare Fokus auf die Bahnbranche. Darüber hinaus bleiben die Personaler nicht unter sich, die Bedeutung des HR-Managements für den SPNV und die Mobilitätswende wird in die Politik und in die Gesellschaft hinein kommuniziert.Wenn wir die Mobilitätswende wollen, müssen wir ganzheitlich denken. Wir müssen die drei großen Themen – die Finanzierung von Deutschlandticket und Angebotsausbau, den Erhalt und die Modernisierung der Infrastruktur und die Personalgewinnung – gleichberechtigt diskutieren und bearbeiten.


KarriereSchiene

Die KarriereSchiene, die Jobmesse der Bahnbranche in NRW, findet am 23. August 2024 im Colosseum Theater in Essen statt. Der Jobmesse voraus geht ein Branchentreff mit HR-Dialog für Eisenbahnverkehrsunternehmen, Bildungsträger und Arbeitsagenturen.

Anmeldung zum HR-Dialog
 
Das Bild zeigt das Titelmotiv der Leistungsbilanz von Fokus Bahn NRW: Gleise, an denen Bauarbeiten durchgeführt werden. Danaben fährt ein gelber Zug auf dem nebengleis vorbei.
Fünf Jahre Fokus Bahn NRW

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