Neue Strukturen für Fokus Bahn NRW
Programm
18. März 2026
Unmittelbar Wirkung beim Fahrgast entfalten
Das neue Leitungsteam von Fokus Bahn NRW zeigt sich einig und entschlossen: „Durch Fokus Bahn NRW sind Wettbewerber auf der Schiene zu Partnern für eine gemeinsame Gestaltung des Marktes geworden. Diese Partnerschaft wollen wir fest in der Branche verankern. Denn die Herausforderungen einer rasanten Marktentwicklung und eines wachsenden Personalbedarfs bleiben – und die Projekte von Fokus Bahn NRW stoßen inzwischen auf bundesweites Interesse. Wir können gemeinsam viel bewirken“, betonen Christiane Auffermann, Geschäftsführerin des Nahverkehrs Westfalen-Lippe, und Anne Mathieu, Geschäftsführerin der eurobahn. Im Interview erörtern sie die zukünftige Zusammenarbeit und die neuen Projekte der Bahnbranche in NRW.
2026 werden wir zeigen, dass gemeinsame Standards, Ausbildungsoffensiven und klare Steuerung den SPNV in NRW resilienter machen.
Christiane Auffermann
Programmleiterin Fokus Bahn NRW
Wenn Wettbewerb und Zusammenarbeit klug austariert sind, profitieren am Ende vor allem die Fahrgäste in NRW.
Anne Mathieu
Programmleiterin Fokus Bahn NRW
Frau Auffermann, Frau Mathieu – Sie haben die Programmleitung von Fokus Bahn NRW übernommen. Welche Ziele verbinden Sie damit?
Christiane Auffermann: Zunächst möchten wir uns herzlich bei unseren Vorgängern Joachim Künzel, Rainer Blüm, Marcel Winter und Jan Reinicke bedanken – und bei den mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen, die sich von Seiten der Aufgabenträger und der Eisenbahnverkehrsunternehmen auf der fachlichen Ebene seit Beginn in die Projekte von Fokus Bahn NRW eingebracht haben. Ohne sie gäbe es diese starke Partnerschaft heute nicht. Wir wollen diese Zusammenarbeit in der Bahnbranche fest verankern, das Erfolgreiche fortführen und noch konsequenter auf das schauen, was für die Fahrgäste als positiver Effekt spürbar ist. Fest steht aber auch: Fachkräftemangel und dynamische Marktbedingungen bleiben uns erhalten. Deshalb braucht es weiterhin Fokus Bahn als neutrale Plattform, die Partner zusammenbringt und pragmatische Lösungen anschiebt.
Anne Mathieu: Für uns ist es wichtig, dass wir partnerschaftlich und im gegenseitigen Vertrauen gemeinsame Herausforderungen auf der Schiene bearbeiten. Deshalb wollen wir zusammen mit den Aufgabenträgern und allen Eisenbahnverkehrsunternehmen im SPNV NRW Fokus Bahn als Brancheninitiative fortführen und zugleich Beschleuniger für Lösungen sein: schnelleres Recruiting, verlässliche Qualifizierung, klarere Standards in Verträgen und Qualität. Die Fahrgäste sollen direkt spüren, dass wir an den richtigen Stellschrauben drehen. Außerdem setzen wir auf Transparenz: handfeste Entscheidungen im Lenkungskreis, klare Geschäftsordnung, definierte Rollen in Programmleitung und Programmbüro – das schafft Tempo und Verlässlichkeit.
2026 wird sich Fokus Bahn NRW mit den Projekten Qualifizierung und Recruiting, Fahrgastinformation und Zukunft SPNV Wettbewerb sowie dem Qualitätsprogramm SPNV neu aufstellen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit von Aufgabenträgern und Eisenbahnverkehrsunternehmen im SPNV NRW dauerhaft zu verankern – mit klarer Steuerung, messbaren Ergebnissen und sichtbarer Wirkung für Mitarbeitende und Fahrgäste.
Der SPNV-Betrieb bleibt absehbar eine Herausforderung. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
Christiane Auffermann: Der Fachkräftemangel bleibt herausfordernd – für den SPNV wie für andere Branchen auch. Wir sehen zwar Fortschritte im Recruiting und in der Qualifizierung, dennoch ist eine Lösung des Problems fehlender Fachkräfte nicht kurzfristig zu erwarten. Parallel steht das gesamte System SPNV bundesweit weiterhin vor Herausforderungen: Unternehmen stehen wirtschaftlich unter Druck, was zu Lasten von Qualität und Stabilität auf der Schiene geht. Das erfordert nachhaltige und pragmatische Antworten. Unser Ansatz: Maßnahmen umsetzen, die unmittelbar Wirkung entfalten.
Mit welchen Projekten geht Fokus Bahn NRW 2026 konkret an den Start?
Christiane Auffermann: Wir konzentrieren uns auf die Kernthemen von Fokus Bahn NRW: Fachkräftesicherung, Fahrgastkommunikation und die Zukunft des Wettbewerbs. Um in allen Bereichen gleichermaßen voranzukommen und Verbesserungen zu erzielen, nutzen wir alle Hebel, die uns zur Verfügung stehen. Erklärtes Ziel ist es, mehr Stabilität im SPNV zu erreichen. Dafür gilt es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und weiterzuentwickeln – sowohl im Bereich der Personalgewinnung als auch mit Blick auf Wettbewerbsbedingungen, die verlässlich, fair und angebotswirksam sind. Klare Verantwortlichkeiten und die enge Zusammenarbeit zwischen Aufgabenträgern, Kommunen und Verkehrsunternehmen sind dabei starke Erfolgsfaktoren im Sinne einer gemeinsamen Zielsetzung: das Optimum für den Fahrgast erreichen.
Was müssen zukünftige Verkehrsverträge im SPNV leisten können?
Anne Mathieu: Wir erleben in jüngster Zeit, dass sich Marktbedingungen in rasanter Geschwindigkeit verändern können. Darauf müssen wir schnell, passgenau und pragmatisch reagieren können und dafür müssen Verkehrsverträge reaktionsfähiger werden. Verkehrsverträge müssen zukünftig Risiken und Chancen ausgewogener abbilden, damit Eisenbahnverkehrsunternehmen verlässlich fahren können. Wir brauchen vertragliche Standards, die Exzellenz und Qualität belohnen, Risiken fair verteilen und die nachhaltige Leistungserbringung absichern. Die Standards müssen im Betrieb funktionieren und für Fahrgäste spürbar zu einem besseren Angebot, zu transparenter Information und Zuverlässigkeit führen.
Stichwort Fahrgastinformation: Was kann Fokus Bahn NRW hier zur Verbesserung beitragen?
Anne Mathieu: Die unternehmensübergreifende Fahrgastinformation ist seit jeher ein Kernprojekt von Fokus Bahn NRW und ergibt sich logisch aus der gemeinsamen Disposition in der SPNV-Regiezentrale, die schon seit 2018 bei DB InfraGo in Duisburg kontinuierlich auf- und ausgebaut wird. Hier arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus neun Unternehmen zusammen und koordinieren ihre Verkehre auf gemeinsamen Strecken und Korridoren. Für die Fahrgäste heute schon konkret erlebbare Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sind u.a. das landesweit einheitliche Leitsystem zu den Haltestellen des Schienenersatzverkehrs sowie die Plattform zuginfo.nrw, über die Informationen zu Baustellen und Störfällen in alle Auskunftsmedien des NRW-Nahverkehrs ausgespielt werden. Darüber hinaus wurden in der SPNV-Regiezentrale die neuen Berufsbilder Koordinator/in für die Fahrgastinformation und Koordinator/in für Busnotverkehre etabliert. Wir wissen alle, dass die Fahrgastinformation nach wie vor unzureichend ist. Hier müssen wir also die Zusammenarbeit noch weiter stärken und auch in zukünftigen Verkehrsverträgen abbilden. Darüber hinaus gilt es, auch für Disposition und Fahrgastinformation engagierte Fachkräfte zu gewinnen.
Wie geht es bei der gemeinsamen Personalgewinnung und mit den Bahnen in NRW 2026 weiter?
Anne Mathieu: Die Bahnen in NRW sind inzwischen eine etablierte und starke Marke, welche die Bahnberufe für immer mehr Menschen attraktiv macht. Wir führen die gemeinsame Arbeitgeberkampagne und ihre Maßnahmen konsequent weiter – inklusive zentraler Bewerberberatung, Präsenz auf Jobmessen, Netzwerkarbeit und Vermarktung von Qualifizierungskursen. Dazu bauen wir das Mentorenprogramm, Sprachkurse und neu auch KI-gestützte Lernangebote aus, um den Einstieg und die Qualifizierung zu unterstützen. Ohne diese gemeinsame Anstrengung wird sich die Bedarfslücke bei Triebfahrzeugführerinnen und -führern und anderen Berufsbildern nicht schließen lassen.
Christiane Auffermann: Employer Branding und zentrale Kampagnen ergänzen im Sinne der SPNV-Branche schnell, günstig und wirksam die Eigenaktivitäten von Eisenbahnverkehrsunternehmen. Daher möchten wir das gemeinsame Recruiting und die unternehmensübergreifenden Qualifizierungen jetzt für die Zukunft in der Bahnbranche fest verankern. Dafür setzen wir auf die zentrale Rolle der VDV Academy & Training. Sie ist als GmbH aus der Branchenvertretung Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in besonderer Weise geeignet, weil nahezu alle Akteure, Aufgabenträger und Eisenbahnverkehrsunternehmen dort Mitglied sind.
Mehr zur Zusammenarbeit der Bahnbranche in NRW
Mit dem Landesprogramm Fokus Bahn NRW startete 2019 eine bundesweit einmalige Zusammenarbeit zwischen den SPNV-Aufgabenträgern und den Eisenbahnverkehrsunternehmen in Nordrhein-Westfalen. In den folgenden Jahren realisierten die Branchenpartner unternehmensübergreifende Projekte zur Verbesserung von Disposition und Fahrgastkommunikation, zur Sicherheit im SPNV, zur Stabilisierung von Markt und Wettbewerb und insbesondere zur Fachkräftesicherung – mit messbaren Erfolgen.
Mehr zur VDV Academy & Training
Mit der VDV Academy & Training GmbH haben der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die VDV-Akademie mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen im April 2025 eine bundesweite Initiative zur nachhaltigen Fachkräftesicherung für den öffentlichen Personenverkehr gestartet. Die Geschäftsführung hat Joachim Künzel übernommen. Joachim Künzel war zuvor Geschäftsführer des Nahverkehrs Westfalen-Lippe und in dieser Funktion auf Seite der SPNV-Aufgabenträger Programmleiter von Fokus Bahn NRW. Die Expertise aus der unternehmensübergreifenden Personalgewinnung soll nun auch in deutschlandweite Kooperationsprojekte einfließen.